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Xylit - die süsse Gefahr

Natalie Kern

Um gesünder zu backen, greifen immer mehr Menschen zu Zucker-Alternativen wie Xylit, auch Xylitol oder als Birkenzucker bekannt. Wie leicht sind dem Hund zur Weihnachtszeit ein paar Guetzlis gegeben, oder wir lassen ihn vom Kalorienreduzierten Eis sowie Joghurt schlecken. So vielen Hundehaltern ist noch nicht bewusst, dass Xylitol bei Hunden schwerwiegende Vergiftungen verursachen kann.

 

Was ist Xylitol?

Xylitol ist ein Zuckeralkohol und dient als Zuckerersatz, der in zahlreichen Produkten und Nahrungsmitteln für Menschen enthalten ist. Gewonnen wird er beispielsweise aus Birkenrinde, Maiskolbenresten, Harthölzern oder Stroh. Seine Vorteile liegen darin, dass es deutlich weniger Kalorien enthält als Zucker, sowie Karies und Parodontose verhindern kann und für Diabetiker geeignet ist. Xylitol kommt in kleinen Mengen natürlicherweise in Gemüse und Obst vor.

 



Wie kann ich eine Vergiftung vermeiden?
Überprüfen Sie Lebensmittel in Ihrem Haushalt auf ihre Inhaltsstoffe und bewahren Sie Produkte, die Xylit enthalten für Tiere unzugänglich auf. Putzen Sie die Zähne ihres Hundes ausschliesslich mit für Hunde bestimmte Zahnpasta, niemals mit einer Zahnpasta für Menschen, welche den Zuckerersatzstoff enthalten könnte. Gehen Sie sicher, dass Medikamente wie Beispielsweise zuckerfreie Homöopathika, frei von Xylit sind. Falls der Hund trotz aller Vorsichtsmassnahmen Xylitol-haltige Produkte aufgenommen hat, umgehend einen Tierarzt aufsuchen!

Was passiert, wenn Xylitol vom Hund aufgenommen wird?
Das aufgenommene Xylitol bewirkt eine schnelle Insulinausschüttung durch die Bauchspeicheldrüse. Innert einer Stunde kann es zu einem Abfall des Zuckerspiegels und zu einer Hypoglykämie (Unterzuckerung) kommen. Auch wenn die Alternativ-Süße für Menschen unbedenklich ist, für Hunde kann die Aufnahme tödlich sein und macht sie in jedem Fall krank. Schon 0,3 Gramm (je Kilogramm Körpergewicht) können einen Hund gefährden, reichen für einen Leberschaden und ab drei Gramm pro Kilogramm Körpergewicht ist der Hund akut gefährdet. Ein mit Xylit gebackener Kuchen enthält rund 250 Gramm und ist fix vom Tisch gestohlen. Der Hund müsste schon 65 Kilogramm wiegen, damit er die Chance hätte, den Diebstahl zu überleben... Von Zahnpflege-Kaugummis mit hohem Birkenzucker-Anteil können drei kleine Stückchen genug davon enthalten, um einen 10 Kilogramm schweren Hund in Lebensgefahr zu bringen.

 

"Kein Problem, in unseren Haushalt kommt eh kein Xylit." - Wirklich nicht?  Ein genauer Blick auf die Zutaten von Nahrungsmitteln zeigt, dass davon inzwischen viele mit Xylitol gesüßt werden. Und es werden immer mehr. Dazu gehören unter anderem:

 

  • kalorienreduzierte Milchprodukte, Schokoladen, Desserts, Marmeladen
  • zuckerfreie Süßigkeiten und Kaugummis
  • glutenfreie Lebensmittel
  • Diät-Lebensmittel
  • Streuzuckerersatz
  • Gelierhilfe
  • Süssgetränke
  • Fertigprodukte, Sossen, Backwaren
  • Nahrungsergänzungen
  • Zahnpasta

 

Welche Symptome treten bei einer Xylitol-Vergiftung beim Hund auf?

Hunde können nach der Aufnahme von Xylitol Erbrechen zeigen, das typische Anzeichen einer Vergiftung ist jedoch die Unterzuckerung. Diese führt zu einer Schwäche, zu Koordinationsstörungen, schwankendem Gang und in schlimmeren Fällen zu einem Kollaps oder zu Anfällen. Die Hypoglykämie kann für den Hund lebensbedrohlich sein. Auch wenn diese Unterzuckerung rechtzeitig und erfolgreich behandelt werden kann, kann das Xylitol zu einer unheilbaren Leberschädigung führen. Die Symptome einer Unterzuckerung können sehr schnell, innerhalb von 20-60 Minuten auftreten, oder aber erst nach 24-48 Stunden sichtbar werden. Ein Leberversagen kann auch vorkommen, wenn der Hund vorgängig Symptome einer Unterzuckerung zeigte. Die Anzeichen einer Leberschädigung sind nach 9-72 Stunden sichtbar.

 

Bei weniger großen Mengen bewirkt die Unterzuckerung:

  • Zittern
  • Lethargie
  • Apathie
  • Schwäche
  • Ataxie
  • Sehstörungen
  • Blutgerinnungsstörungen (Koagulopathien)

 

Selbst wenn der Hund noch schnell genug an den Tropf gehängt werden kann  ist ein Leberschaden wahrscheinlich und kann auch dann auftreten, wenn die Unterzuckerung keine erkennbaren Symptome hervorruft. Viel Zeit bleibt dem Hundehalter also nicht. Doch die wenigsten von ihnen denken an eine Birkenzucker-Vergiftung, wenn der Hund erste Symptome zeigt, und selten wohnt der Tierarzt nur wenige Minuten entfernt. Schafft der Hund es doch noch in die Praxis, dann ist eine Vergiftung mit Xylit bei Hunden ein ernst zunehmender Notfall.

Mittel gegen Vergiftungen (provoziertes Erbrechen, Aktivkohle) sind wirkungslos. Der Zeitrahmen, der für lebensrettende Maßnahmen zur Verfügung steht, ist eng. Es geht buchstäblich um Minuten. Ist die Menge eher gering und kommt die Hilfe schnell, gibt es jedoch eine Chance. Etwas Zeit lässt sich durch die Gabe von Zuckerwasser gewinnen, sofern der Patient noch schlucken kann. Alternativ können die Maulschleimhäute damit abgestrichen werden.

 

Ist Xylitol auch für Katzen gefährlich?

Zu Xylitolvergiftungen bei Katzen liegen keine Daten vor, da Katzen nicht gerne „naschen“. Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass Katzen Süsses nur sehr eingeschränkt oder überhaupt nicht schmecken können.


Also achten sie gerade in der weihnachtlichen Zeit darauf, ihre Lieblinge keiner süssen Versuchung auszusetzen... Wir wünschen Ihnen allen ein frohes und sicheres Weinachtsfest.