Alessia Kern
Die Schweine liegen zufrieden im Stroh und grunzen genüsslich, wenn man ihnen den Bauch krault. Das kleine Waisenkalb Alex verbringt seine Zeit am liebsten mit seinen neuen Freunden – den Ziegen. Huhn und Hase teilen sich ein Zuhause, und den Pony-Opas wird zum Frühstück liebevoll Getreidebrei serviert.
Klingt wie im Märchen? Stimmt. Doch solche Orte – und immer mehr davon – gibt es tatsächlich in der Schweiz. Auf sogenannten Lebenshöfen leben Tiere frei von jeglicher Nutzung durch den Menschen und werden umsorgt, bis sie ihren natürlichen Lebensabend erreichen. Einen dieser Höfe durften wir im September besuchen: den Hof Narr in Zürich, einen der Pionierbetriebe dieser Art. Die Schweine liegen zufrieden im Stroh und grunzen genüsslich, wenn man ihnen den Bauch krault. Das kleine Waisenkalb Alex verbringt seine Zeit am liebsten mit seinen neuen Freunden – den Ziegen. Huhn und Hase teilen sich ein Zuhause, und den Pony-Opas wird zum Frühstück liebevoll Getreidebrei serviert. Klingt wie im Märchen? Stimmt. Doch solche Orte – und immer mehr davon – gibt es tatsächlich in der Schweiz. Auf sogenannten Lebenshöfen leben Tiere frei von jeglicher Nutzung durch den Menschen und werden umsorgt, bis sie ihren natürlichen Lebensabend erreichen.
Einen dieser Höfe durften wir im September besuchen: den Hof Narr in Zürich, einen der Pionierbetriebe dieser Art. Das Wetter ist nass und kalt, der Nebel hängt tief über den Feldern. Um zehn Uhr morgens treffen wir uns vor den Toren des Hof Narr. Auf dem Hof ist es still, und sofort stellt sich ein Gefühl von Geborgenheit und Frieden ein. Herzlich begrüsst werden wir von Valentina, die uns durch den Hof führen wird. Bei einem warmen Schwarztee vor der Scheune kommen wir ins Gespräch und erhalten erste Einblicke in die Arbeit des Hof Narr – und in Valentinas Wirken auf dem Hof.
Von Narrenfreiheit und dem Wunsch nach Veränderung
Während wir vor der Scheune sitzen und der Dampf unseres Tees in die kalte Luft steigt, beginnt Valentina zu erzählen. Der Hof Narr habe sich 2013 von einem klassischen Bauernhof zu einem Lebenshof entwickelt, an dem Tiere, die andernorts keine Zukunft hätten, dauerhaft ein Zuhause finden. Gegründet wurde er von Sarah Heiligtag, Landwirtin und Philosophin, und Georg Klingler, Umweltwissenschaftler. Ihr Ziel war es, zu zeigen, wie ein Zusammenleben mit Tieren aussehen kann, das nicht auf Nutzung beruht. Gleichzeitig wird auf den Feldern pflanzenbasierte Landwirtschaft betrieben.
Heute versteht sich der Hof nicht nur als Zufluchtsort, sondern auch als Lern- und Entdeckungsort. Besucherinnen und Besucher erleben direkt, wie Tiere leben, wenn sie einfach sein dürfen, und erhalten Einblicke in alternative Formen der Landwirtschaft, bei denen Nahrungsmittel direkt für den Menschen angebaut werden. Regelmässig finden öffentliche Hofführungen, Workshops, Kurse und Feste statt. Firmen kommen für Teamausflüge, helfen beim Füttern, Misten oder Ernten – und natürlich beim Kontakt mit den Tieren. Schulklassen vom Kindergarten bis zur Sekundarstufe sowie Erwachsene jeden Alters tauchen auf diese Weise in die vielfältige Welt der Tierethik ein.
Darüber hinaus begleitet das Team mit der TransFARMation andere Betriebe beim Ausstieg aus der Nutztierhaltung. Ziel ist es, Höfen konkrete Unterstützung zu bieten und Wege aufzuzeigen, wie Nichtnutzung der Tiere, ökologische Landwirtschaft und wirtschaftliche Tragfähigkeit miteinander vereinbart werden können. Der Hof Narr wird so nicht nur zum Lebensraum für Tiere, sondern auch zum Impulsgeber für strukturelle Veränderungen in der Landwirtschaft. Während Valentina spricht, wird deutlich: Veränderungen entstehen hier Schritt für Schritt, Tier für Tier, Hof für Hof.
Von Schweinen, Hühnern, Truten und der Freundschaft zwischen Kalb und Ziegen.
Unsere Hofführung beginnen wir bei den Schweinen. Friedlich liegen sie im Stroh und schnarchen leise vor sich hin. Sie scheinen unseren Besuch und die Kuscheleinheiten sichtlich zu geniessen – auch wenn sie uns dabei stets mit einem Auge im Blick behalten. Während wir im Stroh liegen und den Schweinen die Bäuche kraulen, erzählt uns Valentina von den individuellen Geschichten der vierbeinigen, rosafarbenen Bewohnerinnen und Bewohner. Sie spricht darüber, wie Schweine in der Landwirtschaft gehalten werden, wie viele es in der Schweiz gibt und wie intelligent und feinfühlig sie tatsächlich sind. Schnell wird deutlich, wie gross der Unterschied ist zwischen dem, was ihnen im Alltag der Nutztierhaltung zugemutet wird, und dem, wer sie wirklich sind und sein könnten – und dass dies nicht zu ihrem Vorteil geschieht. Nach diesem interessanten und aufschlussreichen Austausch geht es weiter zu den Ziegen und zu Stierkalb Alex. Kaum haben wir einen Fuss in ihr Zuhause gesetzt, kommen die Ziegen neugierig auf uns zu und durchsuchen uns nach etwas Essbarem. Auch über sie weiss Valentina viel zu erzählen: Geschichten, die das Herz erwärmen, aber auch solche, die tief in menschliche Abgründe blicken lassen.
Stierkalb Alex, damals erst zwei Wochen alt, teilt sich seit seiner Ankunft auf dem Hof Narr sein Gehege mit den Ziegen. Er wurde aus dem Tierspital gerettet, wo er als Zwilling einer Versuchskuh zur Welt kam. Sowohl die Kuh als auch das Geschwisterkalb überlebten die Geburt nicht. So lag Alex direkt nach seiner Geburt allein in einer Box – ohne die Nähe seiner Mutter und ohne sein Geschwister. Zufälligerweise befand sich seine Box in unmittelbarer Nähe zu der eines Patienten, der vom Hof Narr in die Klinik gebracht worden war. Nach langem Hin und Her durfte schliesslich auch Kalb Alex vom Tierspital auf den Hof Narr ziehen. Heute fühlt er sich dort sichtlich wohl, schliesst Freundschaften mit den Ziegen und spielt am liebsten auf der grünen Wiese mit den Kindern, die zu Besuch kommen.
Zuletzt führt uns Valentina in das Reich der Hühner, Hasen und Truten. Sie alle teilen sich ihr Zuhause miteinander. Begrüsst werden wir von Günther, dem fast zweijährigen Truthahn, sowie von zahlreichen Hühner-Freundinnen. Auch die Hasen – viele von ihnen stammen aus Tierversuchslaboren – hoppeln kurz umher, um einen Blick auf den Besuch zu werfen. Es wird viel diskutiert: über Haltung, Gesundheitszustände, Zuchten und Nutzung dieser Tiere. Auch hier zeigt der Austausch eindrücklich, wie oft und wie sehr landwirtschaftlich genutzte Tiere darin unterschätzt werden, wer sie sind – und wie häufig ihnen abgesprochen wird, jemand zu sein.
Von Begegnung und Perspektive
Die Zeit auf dem Hof Narr war heilsam, interessant und aufschlussreich. Sie schenkt Hoffnung und Perspektive: Alte Muster, Traditionen und Selbstverständlichkeiten dürfen – und müssen – neu gedacht werden. Der Hof Narr zeigt, dass das landwirtschaftliche System auch funktionieren kann, ohne dass das Wohl der Tiere dem Nutzen des Menschen untergeordnet wird. Wir verabschieden uns bei Valentina und bedanken uns herzlich für ihr Teilen und den Einblick in ein Pionierprojekt, das den Blick öffnet für das, was möglich ist.
Mit Hand, Herz und Verstand für unsere Zukunft
Ganz im Bewusstsein, dass uns dafür viele für Narren halten werden, wollen wir auf HOF NARR zu einem nicht «normalen», dafür aber enkeltauglichen Umgang mit unseren Lebensgrundlagen inspirieren.
Und wir glauben, dass unsere Welt dereinst eine bessere sein wird, wenn immer mehr Menschen ohne Angst damit anfangen, positive Veränderungen zu wagen, voller Empathie für unsere Mitlebewesen. Statt Homo Ökonomikus, Homo Narrikus eben.
Lebenshof Hof Narr in Hinteregg (Hauptsitz des Vereins)
Familie Heiligtag, Güetlistrasse 45, 8132 Hinteregg, [email protected]
