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Festtage und Krisen - man gönnt sich ja sonst nichts.

Der Bär als Symbol auf unseren Kantonswappen und Sinnbild für unsere Tierschutzarbeit in den Kantonen.
Stärke, Kraft und Mut wird von uns auch im neuen Jahr abverlangt.


Stille Nacht
Ein intensives, bewegtes Jahr neigt sich uns dem Ende zu. Die Menge an Meldungen und Anrufe hat auf Ende des Jahres abgenommen. Hat es damit zu tun, dass die Leute an den Festtagen viel beschäftigter sind, sich in der dunkleren Jahreszeit etwas zurückziehen und sich eher etwas mehr um sich selber, oder ihre Allernächsten kümmern? Die Not der Tiere kennt keine Winterpause, keine Weihnachtsferien oder gar Sabbaticals. Viele Tierheime sind voll, Hund & Katz warten noch auf ihre Endstelle, während Welpen als Weihnachtsgeschenke unterm Baum landen. Gleichzeitig arbeiten Tierärzte und -kliniken wie so gewohnt auch über ihre regulären Einsatzzeiten hinaus. Tierschutzbeautragte und Freiwillige Helfer opfern immer öfter ihre Zeit, die sie mit Familie, Freunden und ihren Liebsten verbringen könnten, um für die Lebenszeit der in notgeratenen Tiere einzustehen. Dies meist im Stillen, bei Wind und Wetter mit einer Selbstverständlichkeit und einer Selbstaufgabe, die es zu bewundern gilt.

 Auch heute rufen Menschen bei uns auf der Meldestelle an: Menschen, die einen Tierschutzfall melden möchten, ein Bauernbetrieb, der seine Katzen kastrieren will, eine Tierhalterin, die ihren Hund vermisst, oder ein jemand, der sich über die private Haltung von Hühnern beraten lassen möchte. Die Vielfalt an Aufgaben unserer Tierschutzbeauftragten ist gross, die Fälle sind oft komplex, und der Umgang mit Mensch, Tier und Amtsstellen stets herausfordernd.


Besinnungslose Zeit

Diese "besinnliche" Zeit ist für viele Tiere kein Fest der Liebe. Sie werden zur Weihnachtszeit und den "Festtagen" millionenfach geschlachtet und gegessen. Unsere "Nutztiere" landen gekocht in unseren Porzellantöpfen oder werden von teuren Silberbestecken mundgerecht zerstückelt. Sei es die Weihnachtsgans, der Brötlilachs, der Silvesterbraten oder die Stopfleber, die beim Frühstück als Besonderheit aufs Brot gestrichen wird, obschon sie uns als Qualprodukt bekannt ist. Man gönnt sich ja sonst nichts. Selbst die Politik schafft es nicht, ein solches Produkt für den Import in die Schweiz einfach zu verbieten. Wir lassen offensichtlich zu, dass Tiere für uns gequält werden nur um unseres Appetits willen? Offenbar. Denn für unsere Gaumenfreuden lassen wir die Tierliebe schon mal unters Tischtuch fallen und für ein paar Tage vergessen. Fleisch zu essen gehört längst zu unserer Weihnachts- und Festkultur, und ist als Gewohnheit längst zum kleinen Übel geworden.

Doch wer die Prinzipien der Christenheit wie Barmherzigkeit, Fürsorge und Achtung vor dem Leben befolgt, und die Geburt des Erlösers in diesen Tagen feiert, dürfte von dieser Schlachtbank fernbleiben müssen, oder? Weit gefehlt. Der Konsum tierischer Produkte nimmt seit geraumer Zeit erneut zu. Was für ein Fest!


Politischer Wandel?
Viele Tierhalter bereiten sich heute auf eine laute Silvesternacht vor. Feuerwerke werden im ganzen Land gezündet werden. Böller krachen schon Tage vor Silvester spontan in Wohngebiete oder werden auf Spazierwegen abgefackelt. In Nachbars Garten oder auf der bäuerlichen Wiese - Millionen von Schweizer Franken werden an Silvester in den Himmel verschossen. Auf Kosten unserer Natur und Tierwelt. In einer Zeit in der man sich gegen den stattlich verordneten Verzicht und immer mehr Verbote auflehnt, und sich lutstark auf das Recht der persönlichen "Freiheit" beruft, zu tun was man will, hat man die Relation und Auswirkung für sein Tun aus den Augen verloren. Denn was manch Bürger als Grundrecht ausruft, kann für andere Lebewesen schon einmal tödlichen Ausgang haben. Was diese Knallerei an Stress und Panik für ein Tier bedeutet, muss jeder Tierhalter selbst erfahren haben, der sich heute vehement gegen private Feuerwerke ausspricht, und sich die Silvesternacht (und die Tage davor und danach) bereits als vergangen wünscht. Die am 3. November 2023 eingereichte eidgenössische Volksinitiative «Für eine Einschränkung von Feuerwerk» ist zustande gekommen. (Vielen Dank für alle Unterstützer dieser Initative und das Sammeln der Unterschriften!) Nun muss das Volk darüber entscheiden. Wir hoffen alle, dass dieser Irrsinn an Silvester und am Nationalfeiertag endlich eine Einschränkung erfährt.


Krisen aussitzen

Während unser Dachverband, der Schweizer Tierschutz STS die eigene Krise bewirtschaftet und den längst fälligen Wandel herauszögert, und immer neue Probleme in Führung und Organisation ans Licht kommen, müssen wir uns damit abfinden, dass eben auch grosse Organistationen wie der Schweizer Tierschutz STS nicht vor der Bereicherung zurückschreckt und dieses hausgemachte Chaos längst Gönner vergrault, und Spenden ausfallen, oder davon abgeraten wird den Verband dafür zu berücksichtigen. Das Argument "zum Wohl der Tiere" ist leider längst zu einer Floskel verkommen. Der nationale Tierschutz verliert zusehens an Glaubwürdigkeit und in Anbetracht unserer subventionierten Landwirtschaft, dürfte sich manch ein Verband der den Tierschutz schon längst als störend empfindet, ins Fäustchen lachen.

Die rund 70 Sektionen des Dachverbandes sind jetzt nicht bloss mit intensiven Basisarbeit beschäftigt, sondern sollen auch noch die Geschicke des Verbandes nun selbst in die Hand nehmen, um die Zukunft des Tierschutzes in der Schweiz zu bestimmen. Mag das gelingen? Sind die Interessen für die Verwaltung in Tierschutzfragen vertrauenswürdig? Wir werden etwas mehr Klarheit haben, wenn sich alle Sektionen Ende Januar zur ausserordentlichen Deligiertenversammlung in Olten einfinden werden. Wir hoffen feste, dass sich Konstruktives daraus bildet. Nebst dem Ärger der angebundenen Tierschutzvereine schweizweit, der sich dann wohl  Luft verschafft. Wir blicken gespannt auf diesen Tag, und hoffen auf eine stabile, seriöse, transparente Zukunft des Dachverbandes, mit einer nachhaltigen Strategie, die uns hilft, unsere Arbeit an der Basis mit dem richtigen Partner machen zu können.


Auf ein Neues im Alten

Wir werden im neuen Jahr weiterhin mit viel Engagement kämpfen, denn wir wissen auch, dass wir mit dem Tempo der heutigen, stetigen gesellschaftlichen Veränderung mithalten sollen. Hierfür müssen wir immer neue Wege finden und möchten die uns zur Verfügung stehenden Mittel brauchen. Argumente, die für Kastration und für den Chip unserer Haus- und Bauernhoftiere sprechen müssen ihre Empfänger erreichen, Freiwillige für eine aktive Mitarbeit für unsere Sache müssen gefunden und Mittel zur Bekämpfung des Tierleids der in notgeratenen Tiere in den Kantonen müssen gesammelt werden. Wie wichtig regionale Organisationen, Verein und Vereinigungen für die Gesellschaft, für Tiere und Menschen sind, erfahren wir durch unsere tägliche Arbeit, die wir ausschliesslich ehrenamtlich verrichten. Wir werden auch im neuen Jahr ohne staatliche Unterstützung und ohne Rückhalt der Gemeinden, die Lücken füllen, die das offenbar strengste Tierschutzgesetz der Welt offenlässt.

Wir möchten auch im neuen Jahr den Menschen helfen, so dass sie selbst Tieren helfen können. Wir werden dort einspringen, wo Anreize oder Erfahrung fehlen um Tierleid zu verhindern. Wir möchten Situationen nachhaltig verbessern, denn wir wollen, dass das Tierleid nicht als gewohntes Bild einer Gesellschaft ausgeblendet werden muss, nur um damit zurecht zu kommen. Das alles gelingt uns nur durch Ihre Unterstützung. Denn nur durch die Mitglieder und Gönner des Appenzeller Tierschutzvereines, unseren Partnern wie den kantonalen Tierärzten, den Tierheimen, den verwandten Organisationen, Vereinen und Ämtern, und nicht zuletzt unseren eigenen Tierschutzbeauftragten, ist es zu verdanken, dass wir diese so wichtige Arbeit überhaupt machen können.

Wir möchten hier allen danken, die uns letztes Jahr, und die Jahre zuvor unterstützt haben und uns nachwievor ihr Vertrauen schenken. Wir möchten uns auch für die Kritik bedanken, welche uns weiterbringt und für das Wohlwollen und den Mut, der uns zugesprochen wird, bei dem was wir für die Tiere im Appenzellerland tun.

Gerne möchten wir unsere Erlebnisse, die Schicksale der Tiere im Appenzellerland und die Erfolge des Vereins mit euch teilen und freuen uns auf ein ereignisreiches, bewegtes, neues Jahr. - Hebits guet!

 

Für den Vorstand und unsere Tierschutzbeauftragten

Robert Di Falco
Präsident Appenzeller Tierschutzverein